Lutz-Werner Hesse · Komponist


Rezensionen 2020 bis heute

Quintett für Horn, zwei Violinen, Viola und Violoncello op. 85 (2020)

Nach der Pause erzählte Lutz-Werner Hesse die Geschichte des Werkes der zweiten Uraufführung. Er hatte 2019 von Detlef Muthmann einen Kompositions­auftrag für ein Stück für Blasinstrument und Streichquartett erhalten. Das sollte in einem Konzert der Kammer­musikreihe urauf­geführt werden. Der Komponist entschied sich für das Horn „Es ist mein Instrument. Mit diesem Blas­instrument kenne ich mich am besten aus“.

Er behandelte das Horn hier durchaus in der Aura und Tradition des 19. Jahrhunderts, hatte es in der Romantik doch einen hohen Stellenwert, obwohl es selten kammer­musika­lisch eingesetzt wurde. Für diese Besetzung gibt es seit Mozart nur wenige Stücke. Im kurzen quasi improvi­sierenden Prolog stellt das solistische Horn vom tiefen G bis zum hohen b nach langen Quinten seinen Tonumfang in ruhigen ersten Tönen bei noch unbestimmtem Takt zusammen.

Erst das Streich­quartett findet dann zum ungewöhn­lichen, schwankendem 7/8 Takt. Die Mittelstimmen liefern durch­laufende Sechzehntel-Terzen über einem Ostinato des Violon­cellos, welches viel später mit schwankendem Rhythmus wiederkehrt. Erste Violine und Horn beginnen einen Zwiegesang, später cantabile übernommen von der sonoren Bratsche und endlich dem Violoncello. Fugato, Elemente von Kontrapunkt Nach Ende der Hornkantilene ergreifen nach und nach die Sechzehntel das ganze Streichquartett, welche accelerando nach wüstem Absturz beim trillernden Cello in der Tiefe landen, zuletzt nach starkem Pizzi-Ritardando aller auf G-endet. Aus acht Sätzen besteht das ganze Werk, bringt Kantilenen, Fugato, Elemente des Kontrapunktes, also durchaus konventionelle Musikelemente. Im Zentrum steht ein „Lento misterioso“ mit merkwürdig-befremdlicher Stimmung: sechs Takte scharfen, geheimnisvollen Klangs im Pianissimo, wenn das Bogen-Tremolo unmittelbar auf dem Steg ausgeführt wird. Den anspruchsvollen, kantablen, technisch schwierigen Hornpart spielte Sybille Mahni souverän und mit großem Ausdruck. Das Quintett wirkt alles andere als atonal, vermittelt keinen Schock der Moderne, sondern eher nahezu volkstümlichen Charakter.

Das Publikum zeigte sich mit starkem Applaus und Bravo­rufen für den Komponisten wie für die Ausführenden sehr angetan.

Johannes Vesper in: Musenblätter, 1. März 2022

Quintett für Horn, zwei Violinen, Viola und Violoncello op. 85 (2020)

Das beeindruckende einsätzige Stück …

Ausdrucksstark und in einer tollen Kombination der Instru­mente changierte es zwischen Leichtigkeit, geheimnis- und kraftvoll. Das Schumann Quartett der Brüder Mark, Erik und Ken Schumann ergänzt durch den Bratschisten Veit Herten­stein, überzeugte auch hier, ebenso wie (die Hornistin) Mahni durch überragendes Können. Technisch präzise, traumwandlerisch sicher ein absoluter Hörgenuss.

Bernadette Brutscheid, Westdeutsche Zeitung, 1. März 2022